Das Erbe der Speerwerfer
Die Geschichte unserer Ausflugsregion beginnt in der Altsteinzeit vor knapp 300 000 Jahren, lange bevor in Ägypten die Pyramiden gebaut wurden oder das Rad erfunden wurde. Dort, wo viele Jahrtausende später Schöningen gegründet werden würde, streiften riesige Waldelefanten, Mammuts und Nashörner durch eine weite, sumpfige Steppenlandschaft.
Doch inmitten dieser archaischen Idylle geschah etwas Revolutionäres. Im Schutz des Schilfs entlang der weitläufigen Sumpflandschaft bewegten sich aufrecht gehende Gestalten, die zwar im Vergleich zu den pflanzenfressenden Riesen ihrer Zeit winzig waren, jedoch mit einem völlig neuen Werkzeug bewaffnet waren - dem Verstand.
An der Stelle, wo bis vor wenigen Jahren noch Kohle gefördert wurde, fertigte damals der Homo heidelbergensis die erste nachgewiesene High-Tech-Waffe der Menschheit. Mit Feuer und Steinwerkzeugen schälten sie das harte Holz, balancierten es perfekt aus und schufen die heute weltbekannten Schöninger Speere, die in ihrer Qualität modernen Wettkampfspeeren in nichts nachstehen.
Dass wir diese archäologischen Wunderwerke heute noch bestaunen können, verdanken wir einem geologischen Glücksfall: Die Speere landeten bei einer Jagd im Morast eines urzeitlichen Gewässers und wurden von den umliegenden Sedimenten verschlossen. Dank diesem hermetischen Luftabschluss kam es niemals zur Verrottung und die Speere ruhten hunderttausende von Jahren in einer Art Zeitkapsel, bis sie im Tagebau Schöningen in den 1990er Jahren wieder ans Tageslicht gebracht wurden.